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06.09.2011, 18:10 Uhr | Untergruppenbach
 
Auf der Suche nach der Energie von morgen
 Beitrag in der Heilbronner Stimme von Uwe Deecke

Untergruppenbach - "Das letzte halbe Jahr hat die Grundfesten in Bewegung gebracht", sagte die ehemalige CDU-Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch. Man habe nach Fukushima "keine andere Wahl gehabt, als sich von der Kernkraft zu verabschieden und Vollgas bei regenerativen Energien zu geben". Ihrer Einladung, sich unter fachkundiger Führung im Untergruppenbacher Wald zu informieren, folgten rund ein Dutzend CDU-Parteifreunde aus Gemeinderäten des Schozach- und Bottwartals.
Untergruppenbach -  Strategie


Kreisforstamtsleiter Karl-Heinz Lieber und Revierförster Jörg Kuebart setzen bei der Forstwirtschaft auf die Nachhaltigkeit, die sie sich auch von den privaten Waldbesitzern wünschen. Ein Viertel des Forstes in Baden-Württemberg gehöre dem Staat, weitere Teile Kommunen und Privatpersonen. Ihre Strategie, bei der sie die Gesellschaft einbeziehen und entscheiden lassen wollen, heißt: 90 Prozent des jährlichen Zuwachses wirtschaftlich zu nutzen, fünf Prozent als Totholz für Tiere und Pflanzen im Wald zu belassen, die letzten fünf Prozent als Reserve, wenn es mal wieder heftige Stürme geben sollte, die das Gleichgewicht zerstören.

"Die Preise für Holz müssen steigen", meinte der Kreisforstamtsleiter, damit Wärmedämmung und Effizienzsteigerung eine Chance haben. Das tun sie auch: Der Festmeter Fichte lag in diesem Jahr beim 20-Jahres-Hoch von 100 Euro, so Lieber. Damit aber genug nachwächst, müssen auch die Populationen von Wildschweinen und Rehen reguliert werden, welche die jungen Bäume fressen. 295 Wildschweine, so viel wie noch nie, habe man im Staatswald 2010 geschossen, normalerweise sind es 125 Tiere. Der feuchte Sommer sorgt dafür, dass die Tiere ein Überangebot an Nahrung vorfinden und sich vermehren. Jagdpächter, die für die Schäden bei Mais oder Reben aufkommen müssen, seien vor allem in Gegenden mit Biomais-Anbau kaum noch zu bekommen, klagte Lieber.

Windkraft

Skeptisch, wenn auch nicht ablehnend, steht der Kreisforstamtsleiter Windkraftanlagen auf Standorten wie dem Untergruppenbacher Sandberg, im Weinsberger Tal oder in den Löwensteiner Bergen gegenüber. Allerdings müsse dort mit einer Höhe bis zu 200 Meter gerechnet werden, um genügend Abstand zu den Baumwipfeln zu haben. Viel effektiver seien jedoch Windparks in der Nordsee, betonte Lieber. Auch der Regionalverband Heilbronn-Franken stehe so exponierten Standorten ablehnend gegenüber, erklärte die Landtagsabgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch. Die Berge seien multifunktionaler Freiraum, Ausgleichs- und Naherholungsgebiet und landschaftsprägend. Vorranggebiet sei die Hohenloher Ebene.